
Chris Burns schreibt in seinem Buch „The Priesthood“, dass das Volk Israel nach der biblischen Erzählung über 400 Jahre hinweg ein einziges Bild von Macht vor Augen hatte: den Pharao, der auf einer Sänfte getragen wurde, „on this traveling seat of authority and power“. Dieses Bild eines vergöttlichten Herrschers, der erhöht über dem Volk thront und dessen Autorität mobil sichtbar gemacht wird, findet sich nicht nur in Ägypten.

Auch britische Kolonialherren in Indien ließen sich auf den traditionellen palkis tragen, um ihre politische Überlegenheit zu inszenieren, und in afrikanischen Königreichen wurde der Herrscher auf einer Sänfte durch das Volk bewegt, begleitet von Fächern, Trommlern und heiligen Insignien – ein ethnologisch gut dokumentiertes Ritual, das die sakrale Legitimation des Königs sichtbar machte.


Selbst im Papsttum lebte dieses Muster weiter: Die Sedia gestatoria erhob den Papst über die Menge, flankiert von großen Federfächern, ein Echo antiker Königssymbolik und letztendlich des Pharaonentums, das zunächst „christlich“ umgedeutet, zuletzt jedoch durch das sogenannte „Papstmobil“ abgeschafft worden ist. Die Ähnlichkeit mit der ägyptischen Gottgleichheit der Pharaonen war möglicherweise doch zu offensichtlich gewesen.




Burns zeigt durch diesen Vergleich mit dem Pharaonentum, dass sich durch die Geschichte von Israel in der Wüste eine tiefgreifende Symbolik offenbart: Macht wird getragen. Der erhöhte Herrscher, sichtbar über dem Volk, wird zum Symbol für göttliche oder göttlich legitimierte Autorität. Jesaja 6,1 sagt, „Ich sah den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron.“ in Psalm 97,9 lesen wir „Denn du, Herr, bist der Höchste über alle Welt, du bist hoch erhoben über alle Götter.“




Gottes Gegenbild für die weltliche Herrschaft und Vergötterung von Menschen ist die Bundeslade von Israel. Als Israel aus Ägypten herausgeführt wird, gibt Gott seinem Volk ebenfalls einen tragbaren Thron: die Bundeslade. Sie wird getragen, aber der König darauf ist unsichtbar. Darauf sitzt aber kein Götze oder Gottmensch, denn Gottes Gegenwart ist nicht in dieser physischen Welt verankert, als in dem Namen von Jesus Christus, der die neue Bundeslade für uns Christen ist. Die Lade im alten Testament war symbolisch und physisch Gottes radikale Antwort auf die menschliche Sänfte Ägyptens, das für Weltherrschaft steht – sie ist die Gegenwart des Königs aller Könige, der sein Volk durch die Wüstenwanderung führt und trägt. Jesaja 46,4 — „Ich habe euch getragen, und ich werde euch tragen; ich werde euch schleppen und erretten.“
Die Bundeslade prophetisch auf Christus gedeutet
Jesus trägt uns durch die Wüste, wenn wir unser Kreuz auf uns nehmen wie eine Sänfte, um unseren König zu seinem Ruhm zu tragen.
